„Tower of Fear” – Freizeitland Geiselwind

Tower of Fear

Vom transportablen Außenseiter in den sicheren Hafen des Parks.

Einzelstücke gibt es in der Welt der Kirmes immer wieder mal. Man nennt sie Exoten und es gibt Fans für genau diese Fahrgeschäfte – zu Recht, denn es sind immer mal interessante Schmuckstücke dabei. Auch der Freefalltower der Firma Rodlsberger aus Österreich zählt zu 100 % dazu. Das sogenannte „Alpenkreuz” wurde im Jahre 2005 als transportable Anlage konstruiert und gastierte unter dem ehemaligen Besitzer Fritsch aus Österreich auch mal in der Ur-Variante auf dem Hafengeburtstag in Hamburg. Rein optisch stach dieser Tower aus der Masse heraus, auch wenn er mit einer Höhe von gerade Mal 30 Metern keinen Rekord brechen konnte. Das Herausstellungsmerkmal ist das gigantische Kreuz, dass die Konstruktion beschreibt. Nach längerer Einlagerungszeit und technischen Modifikationen hat er dann 2009 mit Friedrich Bügler aus Mayen einen neuen Besitzer gefunden. Er taufte die skurrile Konstruktion „Adrenalin” und feierte auf dem Osterbend in Aachen Premiere. Im Jahre 2016 wechselte der Turm erneut den Besitzer und erhielt eine Umgestaltung. Als „Flash” ging der Turm 2016 dann unter der Regie von Schausteller Matthias Mölter aus Coburg an den Start. Da Mölter aber nach erfolgreichen Verhandlungen das Freizeitland Geiselwind übernommen hatte, fand die Reise des „Flashs” 2017 ein Ende und er wurde zusammen mit dem zweiten Türmchen, dem „Super Tower” von SBF Visa im Park fest installiert.

Seitdem entführt das Glanzstück hier mutige Passagiere in luftige Höhen. Ja, der „Tower of Fear” wurde wie bereits erwähnt als Prototyp entwickelt und hat eine Gesamthöhe von 30 Metern zu bieten. Die Fallhöhe beträgt 24 Meter und die Anlage benötigt nackt, also ohne Rückwand etc. die sehr kompakte Standfläche von 9 x 13 Metern. Der Fahrgastträger bietet Platz für 12 Personen pro Fahrt und somit eine Kapazität von 450 Personen pro Stunde. Die Insassen werden mit Schulterbügeln gesichert. Die Konstruktion mag von unten beim Zuschauen harmlos wirken, auch durch die geringe Höhe, aber dem ist definitiv nicht so – der Schein trügt, man sollte eine Menge Mut mitbringen, um einzusteigen.

Natürlich riskieren wir gerne eine Fahrt. Nach einer letzten Überprüfung der Bügel durch den Parkmitarbeiter geht es los. Die Gondel setzt sich langsam in Bewegung und bringt uns mit einen Meter pro Sekunde in die Luft. Oben angekommen gibt es keine Verschnaufpause, um das Panorama zu genießen, nein, die Gondel wechselt sofort von Aufwärts- in Abwärtsbewegung. Das auch nicht gerade sanft, wir haben das Gefühl, dass wir mit Sitz in die Tiefe gerissen werden. Nach wenigen Sekunden ist der Spuk vorbei und die Bremse fängt die Gondel auf. Jetzt haben wir Zeit, wieder zu Atem zu kommen, während das Catch-Car langsam runtergeholt wird und schließlich  in die Gondel einhakt. Drei mal pro Fahrt werden wir so nach oben befördert. Bei der zweiten und dritten Tour erschrickt man zwar nicht mehr so wahnsinnig, aber von seinem Thrill verliert der Fall wirklich nichts. Natürlich wollen wir nochmals fahren und da sind wir nicht die Einzigen.

Die Fahrweise nicht an der Spitze zu verweilen ist einzigartig – so ähnlich haben wir es nur am „Flash Tower” der Firma Zamperla im französischen Dennlys Parc erlebt. Allerdings unterscheidet „La Vigie” wie die Vertikalfahrt in Frankreich heißt und den „Tower of Fear” ein entscheidender Punkt, Letzterer ist nämlich ein echter Freefall. D.h. die Gondel wird mit einem Catch-Car das mit ihr verbunden ist hochgezogen. Oben klinkt der Fahrgastträger daraus aus und fällt während das Catch-Car oben verbleibt und nach dem Bremsvorgang separat abgesenkt wird. Dies garantiert eine schnelle und vor allem intensive Fahrt. Während diese Technik heutzutage auch auf dem transportablen Sektor bei Türmen der Firma Funtime zum Einsatz kommt, war sie im Baujahr des „Tower of Fear” auf den Kirmesplätzen einzigartig, denn Türme von Maurer und Söhne oder Huss Rides fuhren kabelgebunden die Konstruktionen hoch und runter – so übrigens auch der vorhin erwähnte „La Vigie “.

(Zu diesen Türmen später mehr in einer geplanten Reportage über transportable Freifalltürme)

Wie schnell der „Tower of Fear” abwärts fährt, ist nicht bekannt, allerdings ist es (fühlbar) beachtlich. Dies wurde auf der Reise auch zu Werbezwecken genutzt – so war der Slogan “echter freier Fall” und “6Gs”  zu lesen. Laut Rodlsberger sind es 4,5G aber auch das ist für einen Freefall schon Wahnsinn.

Das Freizeitland Geiselwind darf man zu Recht als Mekka für Liebhaber dieser Vertikalfahrten bezeichnen, denn neben dem „Tower of Fear” gibt es noch den „Jungle Drop”, der 2018 den „Super Tower” ersetzt hat. Auch aus dem Hause SBF Visa ist dieser Drop’n’Twist für den Parkbetrieb geschaffen und rotiert wie der Name vermuten lässt auf seinen 14 Metern um die eigene Achse. Ein Spaß für Familienpublikum genauso wie der sechs Meter hohe Froghopper des Herstellers Zamperla der den Namen „Jumping Star trägt. Last but not least gibt es auch noch „Vulcano”, den Huss-Klassiker vom Typ Shot’n’Drop der 1998 unter Schausteller Karl Roie Premiere feierte und zahlreiche Grandplätze hielt, bevor er 2003 im Freizeitland in Geiselwind als „T-Rex Tower” in ursprünglicher Version ein Zuhause gefunden hat.

Was lässt sich abschließend sagen?

Der „Tower of Fear” ist ein Unikum und wenn man mutig genug ist, sollte man den ein oder anderen Fall wagen! Es ist schön, dass dieser transportable Exot für die Thrillseeker hier im Freizeitland bewahrt wird.

No risk no fun.

(Text: Redaktion, Fotos: Redaktion)

Parkteil – Komet – Ausgabe 20.11.2021!

INFOS:

Hersteller: Rodlsberger, Typ: Alpenkreuz, Höhe: 30 m,  Baujahr: 2005, Kapazität: 450 p/h, Fahrzeit: ?? Minuten, Geschwindigkeit: ??, Thematisierung: keine, Frühere Namen: Alpenkreuz, Adrenalin, Flash,

Besonderheiten: Einzelstück, echter Freefall, transportabel

FOTOS

 

 

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