Dalton Terror – Walibi Belgium

Es war einmal eine Thematisierung….

Wir schreiben das Jahr 1998 und ein Fahrgeschäft liegt so im Trend, dass alle in Europa genau so ein Exemplar haben wollen. Die Rede ist vom Freifallturm, der in unzähligen Variationen, Höhen und von den unterschiedlichsten Herstellern auf den Markt gebracht wurde. Ein besonders imposantes Geschäft.  Zu einer Zeit wo auch das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, sah auch die Promotion für ein derartiges Fahrgeschäft noch anders aus. In diesem Jahr hatte sich auch der Park Walibi Wavre, das heutige Walibi Belgium, in der Nähe von Brüssel für einen Fallturm entschieden und zwar ein 77 Meter hohes Modell des Giantdrops der Firma Intamin AG mit fünf Spuren a vier Personen.

Dieser Tower wäre auch ein Thema für die Rubrik  ‚Es war einmal‘ gewesen, obwohl einige jetzt sagen würden, “Moment mal, die Attraktion gibt es doch noch.“ Ja, der Tower selber steht noch an Ort und Stelle auch unter dem gleichen Namen, aber es ist ein perfektes und zugleich trauriges Beispiel, wie aus einer makellosen Thematisierung ein Hauch von Nichts wurde. Sicherlich ist das Fallgefühl aus dem belgischen Himmel immer noch das gleiche wie vor 21 Jahren, aber eine Storyline ist ja auch nicht zu verachten.

Doch zurück nach 1997 – als das erste Mal vom „Dalton Terror“ zu hören und zu lesen war.

Es war schnell klar, dass sich alles um Lucky Luke den einsamen Cowboy und seine vier Widersacher bestehend aus den vier Sträflingen – den Gebrüdern Dalton drehen würde. Anhand des Werbetextes ließ sich dann ungefähr erahnen, was auf die Besucher ein Jahr später zukommen würde. „Les Daltons et vous condamnez à la chute libre. Une tour 77 metre de haut“ – zu deutsch „Ihr und die Daltons seid verurteilt worden, frei zu fallen. Ein Turm 77 Meter hoch“ war dort zu lesen und machte in Kombination mit Bildern durchaus neugierig. Ich erinnere mich zurück, dass die Promotion auch durchaus Ehrfurcht erwecken konnte und ich es kaum erwarten konnte, endlich den „Dalton Terror“ live zu erkunden. Angekommen im Park ragte die gigantische 140 Tonnen schwere Turmkonstruktion gegen Himmel – also nichts wie hin.

Willkommen in Lucky Luke City – dem Themenbereich im hinteren Bereich des Parks, wo auch unser Giantdrop steht, der von nahem noch majestätischer wirkte. Eine perfekt umgesetzte Szenerie. Alles wirkte wie frisch aus dem Comicbuch und ich war mitten drin. Natürlich war das Objekt der Begierde der fabrikneue Turm. Das Entree – Schild zeigte den Weg in die Warteschlange, die auch schon Teil der Story war. Häuser und Schaufenster, die dem Wilden Westen näher bringen und als Highlight kurz vor dem Einstieg das Ladenlokal des bekannten Totengräbers aus der Geschichte von Lucky Luke, der noch schnell maßnehmen wollte. Auch die Geier durften nicht fehlen. Die in Lila und Schwarz gehaltene Gondel bewies viel Liebe zum Detail, in dem über jedem der vier Sitze einer der vier Daltonbrüder thronte. Zu Beginn waren auch Onridefotos an dem Tower vorgesehen, die Vorrichtungen für die Kameras waren an Ort und Stelle und auch die Ausgabestelle mit dem Titel Wildfotos war dort. Die Idee wurde allerdings bereits nach der ersten Saison wieder aufgegeben.

Auf zu einer Fahrt: Platz nehmen und Bügel schließen inkl. Zusatzhalterung, damit man fest und sicher sitzt. Mit frei baumelnden Beinen hebt die Gondel ab und bringt einen immer höher, während man die Aussicht genießt. Im oberen Bereich angekommen wird man sehr langsam, das man kaum noch merkt, dass man sich bewegt, während die Gondel aber in den Haken fährt. Schon setzt der freie Fall ein und man ist unten, bevor man überhaupt realisiert hat, was gerade passiert ist. Ein atemberaubendes Gefühl auf dieser sehr kurzen Fahrt.

Technisch hat unser Giantdrop nicht wirklich etwas Besonderes zu bieten. Oben auf der Gondel sitzt eine Art Schlitten/Catchcar das mit Stahlseilen verbunden ist. Mittels dieser Vorrichtung befördert ein 75 Kw Elektromotor pro Spur die Gondel nach oben. Das Catchcar wird an der Spitze gehalten und die Gondel hakt aus, um 110 km/h Highspeed zu erreichen, bevor sie von den Magnetbremsen sanft abgefangen wird. Der Schlitten fährt dann langsam wieder runter, während die Gondel beladen wird. Es ergibt sich eine Kapazität von 500 Personen pro Stunde.

Das Projekt rund um Lucky Luke und die Daltonbrüder war Eddy Meeùs letzter Schachzug mit Projektleiter Dominique Fallon, bevor der Park mit einigen anderen an die Sixflags-Gruppe ging. Doch auch die neuen Eigentümer pflegten die liebevolle Thematisierung weiter, obwohl die Looney Tunes und die DC Helden in den Park einzug hielten und das Känguru verscheuchten.

Doch was ist mittlerweile passiert? Ja, dass alles war einmal und von all dem ist nichts mehr übrig geblieben. Ein liebloser Giantdrop mit ebenso lieblosen Gondeln steht inmitten einer verwaisten und kahlen Westernstadt.  Nach dem letzten Besitzerwechsel und der Einführung des Grundkonzepts Rockstars und jugendliches Publikum hielt die Geschäftsführung zur Saison 2015 es nicht mehr für notwendig, in die Luky Luke – Lizenzen zu investieren, woraufhin alle Charaktere entfernt werden mussten. Aber auch ein komplettes Make-over des Bereichs ist nicht erfolgt, was nach Tod des einsamen Cowboys durchaus mehr Sinn gemacht hätte. Sehr schade, aber alles hat irgendwann einmal ein Ende.

(Text: Redaktion, Fotos: Redaktion und Walibi Belgium)

 

Parkteil – Komet – Ausgabe 20.5.2021!

INFOS:

Hersteller: Intamin, Typ: Giant Drop, Höhe: 77 m,  Baujahr: 1998, Kapazität:  p/h, Fahrzeit: ?? Minuten, Geschwindigkeit: ??, Thematisierung: keine,

Besonderheiten: Keine

 

FOTOS

 

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