„Space Shoot“ – Walygator Grand Est

Space Shoot, SHOT TOWER

„Space Shoot“ – Abschussturm mit bewegter Vergangenheit.

Ende der 1990er-Jahre boomte das Geschäft mit dem freien Fall, zahlreiche unterschiedliche Neuinstallationen bestätigen dies weltweit eindrucksvoll. Auch der damalige Walibi Schtroumpf in Maizière-lès-Metz erhielt im Jahre 1998 einen solchen nigelnagelneuen Turm. „La Vengeance de Gargamel“ zu deutsch die „Rache des Gargamels“, war eine 56 Meter hohe Variante des US-amerikanischen Herstellers S & S. Das Konzept von „Space Shot“, „Turbo Drop“ und „Combo Tower“ ist eines der erfolgreichsten überhaupt und hat sich weltweit durchgesetzt. Der Tower im Walygator Parc ist ein klassischer „Space Shot“, der auch noch im Park steht. Allerdings stand dies zeitweise auf der Kippe und mehrere Umgestaltungen hat die Anlage seit dem hinter sich. Doch zurück zu den Anfängen. Aufgrund der Schlumpflizenz, die der Park damals hatte, als er zur belgischen Walibi – Gruppe – unter Eddy Meeùs – gehörte, war die Thematisierung dementsprechend hübsch und niedlich. Ein überdimensionaler Schlumpf hatte es sich auf der Spitze des in Weiß gehaltenen Turms gemütlich gemacht und thronte bereits von der Autobahn sichtbar hoch über dem Dorf der kleinen, lustigen, blauen Gesellen. Im Eingangsbereich waren große Figuren des bösen Zauberers Gargamel und seinem Kater Azrael, die die mutigen Besucher empfingen. Außerdem waren die Gondeln mit Schlumpfbannern bestückt. Nach dem Verkauf an die Six-Flags-Gruppe endete auch zu Beginn der Saison 2003 die Ära der Schlümpfe und die komplette Deko musste entfernt werden. Während aus Walibi Schtroumpf , Walibi Lorraine wurde, wurde aus „La Vengeance de Gargamel“ einfach unspektakulär „Space Shot“ – man kehrte zum Werksnamen zurück. Auch war er nun sehr lieblos in der Landschaft platziert. Mühe mit der Dekoration hat man sich keine gegeben. Ein weiterer Besitzerwechsel erfolge 2007, als der Park aus der Walibi-Gruppe herausgelöst wurde.

Die Schaustellerbrüder Claude und Didier Le Douarin kauften den Park und gestalteten ihn zum Walygator Parc inkl. neuem Maskottchen, einem Krokodil – um. Auch der „Space Shot“ erhielt eine neue Thematisierung. Na ja, Thematisierung ist eigentlich zu viel gesagt, er wurde frisch angestrichen und mit einem neuen Namen versehen. „The Dark Tower“ – welcher auf ein Sponsoring des Energydrinks Dark Dog zurückzuführen war. So war die gewählte Farbgebung der Banner und des Gebäudes in einem kräftigen Gelb gehalten – obwohl man hier viel mehr aus der Thematisierung hätte machen können.

In der Saison 2010 blieb der Turm dann geschlossen, was sich auf zwei ganze Jahre hinziehen sollte. ‚Standing but not operating – SBNO‘ wie es so schön in Fachkreisen heißt. Die benötigte Reparatur und Instandhaltung war einfach zu teuer für die Eigentümer. Am Ende hatte eigentlich schon niemand mehr damit gerechnet, dass die Gondel jemals wieder gegen Himmel katapultiert würde. Doch das, was unmöglich schien, wurde dann doch noch wahr – der Turm war 2013 durch S & S fachmännisch repariert und nahm den Betrieb wieder auf, was wohl daran lag, dass der Park, der kurz vor der Insolvenz gestanden hatte, ein neues Management erhielt. Aus dem „Dark Tower“ wurde der heutige „Space Shoot“, eine frische, wenn auch schlichte neue Farbgebung, zeichnen den Ride nun aus. Auch das Logo wurde überarbeitet.

Doch steigen wir ein und wagen eine Fahrt. Der Eingangsbereich, der auch als Warteschlange dient, ist sehr breit und überdacht. Er führt in einem Halbkreis um den Turm herum. Wenn man aus der Vogelperspektive auf das Gebäude schaut, gleicht es einem UFO. Hat man eben diesen relativ kurzen Weg hinter sich gebracht, erhält man Zutritt zum Turm. Brillen und lose Gegenstände können in kleinen Körbchen abgelegt werden und anschließend darf man in einem der Sitze Platz nehmen. Sie sind in Dreierreihen angeordnet, woraus sich eine Kapazität von 12 Personen pro Fahrt ergibt. Wir setzen uns und haben etwas Mühe, die großen klobigen Bügel von S & S zu schließen. Doch als wir das geschafft haben, inkl. Zusatzgurt sitzen wir sehr fest und bequem. Im Hintergrund hören wir, wie der Turm den benötigten Luftdruck in einem Rauschen aufbaut. Während dessen geht die Mitarbeiterin rund und kontrolliert die Bügel. Die Gondel schnellt in die Höhe, ohne jegliche Vorwarnung und an der Spitze entlädt sich der Druck mit einem lauten Knall, während wir jede Menge Airtime verspüren, die uns scheinbar aus dem Sitz hebt, bevor wir hinab gleiten. Es bleibt nicht mal Zeit zu schreien. Die Gondel pendelt aus und landet nach nur 50 Sekunden wieder sicher auf der Erde. Die Fahrt hat eine Menge Power und macht Spaß. Der besondere Thrill ist der Moment, wenn man auf den Abschuss wartet. Bei dieser Anlage gibt es nämlich noch eine Besonderheit. Während ähnliche Türme wie der im holländischen Walibi – Park immer erst langsam einige Meter über Stationsniveau abheben und der Wiegevorgang inkl. Druckluftaufbau dort unter leichtem hoch und runter Pendeln stattfindet, findet er hier auf Bodenniveau und ohne Vorwarnung statt. Auf Nachfrage bei S & S ist erklärt worden, dass dies einfach eine Programmierungssache ist. Allerdings ist der Start von Bodenniveau nur noch bei Anlagen möglich, die noch die Ursprungssoftware verwenden. Alle Türme, die ein Update erhalten haben, lassen dies nicht mehr zu, hier ist nur noch die Startposition über der Station vorgesehen – wo man sich mental auf das Bevorstehende vorbereiten kann.

Alleine dadurch ist der Turm schon eine kleine Kuriosität und lädt zu zahlreichen actiongeladenen Fahrten ein. Wer sich traut von oben hinab zuschauen, kriegt auch die knallgelben Bodenmarkierungen, die die „Launch-Zone“ ausweisen, zu Gesicht.

Ein Evergreen, der uns noch hoffentlich lange erhalten bleibt und viele Schreie in den französischen Himmel schicken wird.

Text und Fotos: Tatjana Gemüth

Text: Redaktion, Bilder: Redaktion

INFOS:

Hersteller: S & S , Typ: Space Shot , Höhe: 56 m,  Baujahr: 1998 , Kapazität:  480 p/h, Fahrzeit: 40 Sekunden, Geschwindigkeit: 80 km/h Thematisierung: früher Schlümpfe – jetzt Space,

Besonderheiten: Keine

 

 

 

 

 

 

 

Erschienen im KOMET am 20.11.2020!

FOTOS:

 

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